"Künstliche Intelligenz kann Menschen nicht ersetzen"

Anna McMaster

An der Künstlichen Intelligenz führt kein Weg mehr vorbei – im Alltag ebenso wenig wie am Arbeitsplatz. Wie tiefgreifend die Veränderung sein wird, ist aber ebenso offen, wie die Frage: "Wie weit dürfen wir der KI trauen?"

Die Meinungen zu dieser Frage gingen auch auf einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion auf dem Maschinenbau-Gipfel auseinander, aber Einigkeit herrschte zumindest darin, dass eine Diktatur der Maschinen nicht bevorsteht. Denn: "Künstliche Intelligenz kann Menschen nicht ersetzen", betonte der Theologe und frühere EKD-Ratsvorsitzende Professor Wolfgang Huber.

Umstritten blieb allerdings, wie weit eine Regulierung der Künstlichen Intelligenz – die in vielen Einsatzgebieten noch in den Kinderschuhen steckt – jetzt schon erfolgen soll. Aus Sicht des Ethikers und Universitätsprofessors Thomas Metzinger besteht durchaus die Gefahr, dass Europa sich hier zu sehr von den USA und China unter Druck setzen lässt und auf eine strengere Regulierung verzichtet. Dabei sei das von der EU ausgedachte Label "Trustworthy Artificial Intelligence made in Europe", das zum Beispiel auch Sozialverantwortung mit einbezieht, "eine gute Idee", erläuterte Metzinger. Er habe aber Sorge, dass Ethik "nur als Dekorationsmaßnahme für Investitionsstrategien missbraucht werden soll".

Droht also ein "ethics washing", das so ähnlich funktioniert, wie das "green washing" von manchen Produkten? Der Widerspruch hierzu kam sowohl aus dem Mittelstand, als auch aus der Forschung. "Alle nehmen die ethischen Fragen in der KI ernst, aber es ist ein sehr weites Feld. Man muss deshalb gut prüfen, was genau mit Ethik-Richtlinien geregelt werden soll", mahnte Sr. Stefan Wess, Aufsichtsrat im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und Geschäftsführender Gesellschafter Empolis Information Management. Er bezeichnete Künstliche Intelligenz positiv als "Denkverstärker", so wie einst die Dampfmaschine ein "Kraftverstärker" gewesen sei.

Nach Ansicht von Professor Huber hat die Künstliche Intelligenz allerdings eine deutlich weitreichendere Auswirkung als die Dampfmaschine, weil sie alle Lebensfelder und nicht nur einen einzelnen Sektor verändere. Sie wirke sogar umfassender als seinerzeit die Revolution, die durch den Buchdruck ausgelöst wurde. "Wir dürfen deshalb nicht kleinlaut werden und sagen: das ist zu groß für uns. Wir Menschen sind auch hier hauptverantwortlich für die weitere Entwicklung", mahnte er.

Diesen Ball nahm Henrik Schunk, Familienunternehmer und Maschinenbauer, gerne auf. Die Betriebe müssten die Chancen der "Schlüsseltechnologie jetzt nutzen" und dabei auch Fehler machen dürfen. Sie müssten aber auch ihre Mitarbeiter mit ganz neuen disruptiven Methoden im Umgang mit KI weiterbilden. "Das dauert Jahre, eine Dekade ist da nichts. Aber wir müssen jetzt loslegen", forderte Schunk. Dass dieser Prozess auch hierzulande am Ende erfolgreich sein kann, steht für den KI-Forscher Stefan Wess außer Frage. "Die Bereitschaft dazu im Mittelstand ist vorhanden. Ich bin super-optimistisch, dass die deutschen Firmen dieses Rennen in fünf bis zehn Jahren gewinnen werden."